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PEAKOIL Die Welt am Vorabend einer globalen Energiekrise!!
Über das Schwinden der Erdölreserven und die Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft
Mit “Peakoil” bezeichnen Fachleute aus der Erdölindustrie den Zeitpunkt, ab dem die Ölförderung aus einem Ölfeld ihren Produktionshöhepunkt überschreitet, um in der Folgezeit mit wachsender Dynamik
zurückzugehen. “Peakoil” wird für die Weltwirtschaft und die Weltbevölkerung ein schicksalhafter Wendepunkt werden, weil er das Ende der Erdölwirtschaft einleitet und damit die Grundlagen der heutigen
Wirtschaft, der modernen Gesellschaften und ihren Wohlstand in Frage stellt.
Politik und öffentliche Meinung wähnen das Ende der Erdölwirtschaft noch fern. Zahlen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit veröffentlicht wurden, weisen aus, dass die weltweiten Erdölvorräte der sicher gewinnbarer Reserven von 151795 Mio. Tonnen bei Fortsetzung der gegenwärtigen Förderung von 3657 Mio. Tonnen statistisch noch 43 Jahre reichen würden. Darüber hinaus rechnet sie mit 84256 Mio. Tonnen zusätzlich gewinnbarer Ressourcen.
Die Aussicht auf
Reserven für weitere 43 Jahre mag bei einer linearen Betrachtung beruhigend erscheinen. Für das Florieren der Weltwirtschaft ist jedoch entscheidender, wie lange Erdöl billig produziert und angeboten werden kann und ab wann es Versorgungsengpässe geben wird. Dies ist durch den für begrenzte Ressourcen wie Öl typischen Produktionsverlauf vorgegeben, der von Geophysikern mit der sog. Hubbertkurve beschrieben wird: Diese Kurve in Form einer Glocke beschreibt das Phänomen, dass die Wachstumsrate der Rohölproduktion am Anfang der Produktion sehr klein ist, bis zum Verbrauch der ersten Hälfte der Reserven stark ansteigt und danach steil abfällt. Verursacht wird dieser Produktionsverlauf durch den Umstand, dass die erste Hälfte der Reserven leicht zu erschließen und abzuschöpfen ist, für die Förderung der zweiten Hälfte jedoch ein immer höherer Aufwand betrieben werden muss, um die Produktion aufrechtzuerhalten, bis die Reserven schließlich verbraucht sind. Peakoil, der Höhepunkt der Erdölproduktion, ist als Wendepunkt deswegen von so grundlegender Bedeutung, weil ab diesem Zeitpunkt die Produktion mit zunehmender Dynamik zurückgeht und der Aufwand zur Aufrechterhaltung der Produktion immer konstenaufwendiger wird.
Vor diesem Hintergrund erwarten unabhängige Experten wie der Geologe C. Campbell und wissenschaftlichen Einrichtungen wie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, dass die Zeit des billigen Öls schon bald zu Ende gehen und zu Versorgungsengpässen führen wird. Ihre Erwartungen beruhen auf folgenden Feststellungen:
- Gemessen am Umfang der entdeckten Erdölvorkommen einerseits und den in den zurückliegenden Jahrzehnten geförderten Erdölmengen andererseits
ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, an dem die Hälfte der konventionellen Erdölreserven gefördert worden sein wird.
- Die Erdölproduktion hält mit der wachsenden Nachfrage insbesondere aus China und Indien nicht mehr mit.
- Es gibt eine Vielzahl von Anhaltspunkten und Gründen dafür, dass die Angaben der erdölproduzierenden Länder und der Ölkonzerne über den Umfang
ihrer Erdölreserven aus politischen und finanziellen Gründen zu hoch angesetzt wurden und werden.
Zwar wird eine genaue Einschätzung des Umfangs der weltweiten Erdölreserven dadurch erschwert, dass weder Erdölfirmen noch Erdöl produzierende Länder ein Interesse daran haben,
realistische und überprüfbare Angaben zum Umfang ihrer Erdölreserven zu machen. Bereits seit Jahrzehnten gibt es jedoch in Fachkreisen anerkannte Schätzungen darüber, in welchen Zeiträumen sich die Erdölreserven erschöpfen werden.1974 prognostizierte der amerikanische Geologe M. King Hubbert, dass gemessen an dem damals vorherrschenden Verbrauchertrend das Maximum der Ölforderung im Jahr 1995 erreicht sein würde. Eine 1980 vorgestellte Untersuchung amerikanischer Fachleute mit dem Titel “Global 2000”, die im Auftrag des US-Präsidenten erstellt wurde, kam zu dem bis heute nicht in Frage gestellten Ergebnis, dass auf der Erde maximal 2100 Mrd. Barrel an förderbarem Erdöl vorhanden seien. Eine 1995 erschienene Studie des Geologen Campbell “World Oil Supply 1930 - 2050” bestätigt diese Daten und prognostizierte ein Produktionsmaximum für das Jahr 2000. Neuere Berechnungen von Campbell gehen davon aus, dass der Zeitpunkt, an dem die Hälfte der Erdölreserven gefördert sein wird, im Jahr
2008 erreicht wird.
Ob `Peakoil`als Wendepunkt bereits im Jahr 2000 lag, wie Pessimisten vermuten oder erst nach 2010 eintreten wird, wie es Optimisten annehmen, kann dahinstehen. In jedem Fall bleibt Politik, Wirtschaft und
Bürgern kaum hinreichend Zeit, sich darauf einzustellen.
Gefahr für die Weltwirtschaft
Das Überschreiten des Produktionshöhepunktes bei Erdöl wird zur Folge haben, dass das weltweite Angebot an Erdöl auf dem Energiemarkt zu einer Zeit zurückgeht, in der die Ölnachfrage infolge der
wirtschaftlichen Dynamik Chinas und Indiens stark wächst. Dies wird den Preis für Erdöl in die Höhe treiben und bewirken, dass nur noch zahlungskräftige Länder und Firmen Zugang zu Erdöl haben
werden. Steigende Ölpreise und schließlich Versorgungsengpässe und -ausfälle werden die Lebensweise der Menschen weltweit fundamental ändern. Öl ist für industrielle Gesellschaften ungefähr so wichtig
wie das Wasser für Fische, meint Prof. Richard Heineberg vom New College of California in Santa Rosa. Erdöl wird nicht nur als Treibstoff für den Transport und Verkehr, als Energiequelle für die Beheizung von Gebäuden benötigt; der aus Erdöl hergestellte Kunstdünger ist Grundlage für den industriellen Ackerbau, der es der Landwirtschaft überhaupt erst ermöglicht hat, die in den letzen hundert Jahren dramatisch angewachsene Weltbevölkerung zu ernähren. Darüber hinaus werden viele Dinge des täglichen Lebens aus Erdöl hergestellt: Chemikalien, Plastik, Farben und Lacke, Kunstfasern und Medikamente.
Teures Erdöl und Versorgungsengpässe drohen daher die Weltwirtschaft in eine neue Weltwirtschaftskrise zu stürzen.
Statt Wirtschaftswachstum droht ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität; steigende Rohölpreise, ein Rückgang des weltweiten Handels und der internationalen Arbeitsteilung werden die Inflation anheizen; die Kapitalmärkte müssen mangels Wachstumsaussichten mit gravierenden Einbrüchen und Vermögensverlusten rechnen.
Gefahr für das friedliche Zusammenleben der Völker
Die Angst vor einem Kollaps der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Infrastruktur kann zu internationalen Auseinandersetzungen um die knapper werdenden Ressourcen führen, militärische Konflikte
zwischen den auf Ölimporte angewiesenen Ländern oder
zwischen Erdöl produzierenden Ländern und Importländern eingeschlossen. Wo das Konfliktpotential liegt, verdeutlichen die Zahlen über die Verteilung der weltweiten Erdölreserven. Zwei Drittel der gesamten Reserven der Welt befinden sich in fünf Anrainerstaaten des persischen Golfs. Im einzelnen sind dies Abu Dhabi, Irak, Iran, Kuweit und Saudi-Arabien. Die daraus erwachsende strategische Bedeutung dieser Region für die Weltwirtschaft veranlasste F. William Engdahl im Dezember 2003 in einem Beitrag für die schweizer Wochenzeitschrift “Zeit-Fragen” zu der Frage, ob die schrumpfenden Ölfördermenge die strategische Achillesferse der USA treffe. “ Es wird zunehmend klarer”, schrieb Engdahl, “dass es bei der US-Besetzung des Irak um die weltweite Kontrolle der Ölreserven geht. Kontrolle in einer Situation, in der die Weltölreserven sehr viel geringer sind, als die Welt annimmt.” ... “Im Irak- Krieg geht es um die Entscheidung, wer wieviel Öl zu welchem Preis bekommt und wer leer ausgeht.”
Konsequenzen für Deutschland
Deutschlands wäre als eine der bedeutendsten Industrienationen von den Folgen steigender Erdölpreise und etwaiger Versorgungsengpässe in besonderem Maße betroffen. Es deckt nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen für das Jahr 2002 37,5 Prozent des Primärenergieverbrauchs durch Erdöl ab. Aufgrund der starken
Einbindung in den weltweiten Handel würde es durch eine Krise der Weltwirtschaft Exportchancen und damit Arbeitsplätze verlieren.
Der absehbare Produktionshöhepunkt bei der Erdölförderung sollte daher Politik, Wirtschaft und Bürger zu großen Anstrengungen veranlassen, um die Abhängigkeit der Energieversorgung von Erdöl zu reduzieren.
Hubertus Rybak, 31.Mai 2004
Weitere Informationen:
Ergebnisse des “3rd International Workshop on Oil & Gas Depletion” vom 25./26. Mai 2004 in Berlin:
www.energiekrise.de Informationen zu fossilen Energiereserven http://www.peakoil.net/
ASPO - The Association for the Study of Peak Oil & Gas http://www.odac-info.org/ Oil Depletion Analysis Center http://www.oilcrisis.com/ The Coming Global Oil Crisis http://www.bgr.de/ Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
H.Rempel, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: “Geht die Kohlenwasserstoffära zu Ende?” (Hannover, Mai 2000)
Jörg Schindler und Werner Zittel: “ Weltweite Entwicklung der Energienachfrage und der Ressourchenverfügbarkeit” (Ottobrunn, Oktober 2000)
Jörg Schindler und Werner Zittel; “Fossile Energiereserven (nur Erdöl und
Erdgas) und mögliche Versorgungsengpässe aus Europäischer Perspektive” (Ottobrunn, Juli 2000) Jörg Schindler und Werner Zittel:”Die Zeit des billigen Erdöls geht bald zu Ende”
P. Kehrer, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: Das Erdöl im 21. Jahrhundert- Mangel oder Überfluss? http://www.ag-energiebilanzen.de/ Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen: Statistiken zum Energieverbrauch
http://www.mwv.de/ Informationen des Mineralölwirtschaftsverbandes http://www.worldoil.com/ The oilfield information source http://www.oilandgasinternational.com/ http://www.copad.org/
Citizens Committee on Oil Peak And Decline http://www.postcarbon.org/ Post Carbon Institute Weitere Publikationen im Internet
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