|
Das Menschenbild
“Die Würde des Menschen ist unantastbar”. Mit diesem Worten des Artikels 1 legt das Grundgesetz das Menschenbild für die Verfassung Deutschlands fest. Es ist das in der
christlich- abendländischen Tradition stehende Bild vom Menschen als dem Ebenbild Gottes, das jedem Menschen eine eigene, unveräußerliche Würde, einen Eigenwert zumißt.
Nach
christlichem Verständnis beruht die Würde des Einzelnen darauf, dass Gott jeden einzelnen Menschen gewollt hat, ihn liebt und so annimmt, wie er ist. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass der
Mensch als geistig- sittliches Wesen von Natur aus darauf angelegt ist, in Selbstbewußtsein und Freiheit sich selbst zu bestimmen, sich zu gestalten und sich in der Umwelt auszuwirken.
Dabei wird der Mensch als Person auch als soziales Wesen verstanden, das ohne Gemeinschaft nicht denkbar ist und nicht Person werden kann.
Aufgrund seines Eigenwertes hat jeder Mensch
gemaß Artikel 1 des Grundgesetzes einen Anspruch auf Achtung und Schutz seiner Würde. Dies bedeutet, daß er nicht als Objekt behandelt, als blosses Mittel für menschliche Zwecke benutzt werden darf. Dementsprechend gelten der Mensch und seine Würde als der oberste Wert der deutschen Verfassung.
Der Mensch verliert, wenn das christlich- abendländische Menschenbild mißachtet wird :
- Die Würde des Menschen wird heute weltweit immer wieder von autoritären und totalitären Regimen bedroht, die aufgrund ihres absoluten Machtanspruchs ohne weiteres bereit sind, Leben und Freiheit von Menschen den Interessen des Kollektivs, der Staates oder ihren Machtinteressen zu opfern. Die Hilfsorganisation amnesty international setzt sich im Sinne des christlich-abendländischen Menschenbildes für Menschenwürde und Menschenrechte weltweit ein.
- Die Würde des Menschen wird zunehmend auch von und in den Medien mißachtet. Weil die Sensationsgier der Menschen einen lukrativen Markt schafft, werden Menschen in immer entwürdigenderen Darstellungen präsentiert. Der Wettbewerb um die Präsentation der radikalsten Form körperlicher und geistig- seelischer Striptease scheint keine Grenzen zu kennen.Tabubrüche als Sensation lassen sich offenbar gut verkaufen und verursachen nur geringe Produktionskosten. Die beteiligten Personen glauben, auf diesem Weg Bedeutung zu gewinnen; tatsächlich werden sie auf bloße Körper oder abnorme Fälle reduziert, für die das Interesse meist mit der Zurschaustellung endet.
- Die großen Fortschritte im Bereich der Bio- und der Gentechnologie werfen die Frage auf, ob die Würde des Menschen auf Dauer gewahrt werden kann.Wenn mit der Einführung der
Techniken der Fortpflanzungsmedizin der Mensch zum machbaren Produkt wird, wenn über die Manipulation der Gene Aussehen und Leistungsfähigkeit des Menschen programmierbar werden, läuft
der Mensch Gefahr, seinen Eigenwert und seine Würde zu verlieren und seinen
Wert nur noch in der Qualität seiner nützlichen Eigenschaften zu erkennen. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, beschrieb anläßlich der von den christlichen Kirchen veranstalteten “Woche des Lebens”die Risiken des medizinischen Fortschritts für die Würde des Menschen wie folgt: “ Es geht uns darum, dem Traum vom perfekten Menschen zu widersprechen - einem Traum, der letztlich zutiefst inhuman ist: Nur all zu schnell wird der Mensch, der immer ein unvollendetes und daher auch unvollkommenes Wesen ist, dabei zum Schadensfall, zur vermeidbaren Belastung oder zum untragbaren Versicherungsrisiko.”
- Auch die schwindende Bedeutung der christlichen Kirchen schwächt die Leuchtkraft des christlich- abendländischen Menschenbildes. Mit den Advokaten dieses Menschenbildes verblasst auch dessen Idee.
|