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Stand: 14 Dezember, 2006

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Wirtschaftsordnung

Eine effiziente Wirtschaftsordnung ist die Grundlage
 für
 allgemeinen Wohlstand und Vollbeschäftigung

Menschen wirtschaften und handeln wirtschaftlich, weil ihre Bedürfnisse  prinzipiell unbegrenzt sind, das Angebot an Waren und Dienstleistungen dafür ihnen jedoch nicht unbegrenzt zur Verfügung steht.Der wirtschaftliche Erfolg des einzelnen wie auch jeder Gesellschaft  bedarf daher einer rationalen Ordnung, einer Wirtschaftsordnung, die Entscheidungen darüber ermöglicht, wer unter welchen Bedingungen Waren und Dienstleistungen (d. h. Güter) zur Befriedigung seiner Bedürfnisse erhalten kann. Dafür gibt es prinzipiell zwei Grundmodelle: die Marktwirtschaft sowie die Planwirtschaft.

Die Planwirtschaft, eine zentral gelenkte Zentralverwaltungswirtschaft, versucht durch ein zentrales Sammeln von Information über die vorhandenen Bedürfnisse, eine darauf aufbauende Produktionsplanung und Produktion sowie eine zentralen Preisfestsetzung eine möglichst bedarfsgerechte Versorgung der Menschen zu erreichen.Den immer differenzierter werdenen Bedürfnissen und Ansprüchen der Menschen in der modernen Gesellschaft wird ein solches bürokratisches Modell jedoch nicht gerecht. Deswegen setzen sich weltweit Wirtschaftordnungen durch, die auf einer marktwirtschaftlichen Ordnung beruhen.

Die Marktwirtschaft ist eine Wirtschaftsordnung, in der die Entscheidungen über die Zuteilung von Gütern von den Wirtschaftsteilnehmern auf dem Markt getroffen werden. Entscheidend für die Zuteilung ist  der Preis, der in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage auf dem Markt gebildet wird.
Anders als bei der zentral gelenkten Planwirtschaft, ist die Marktwirtschaft ein Wirtschaftssystem mit dezentralen Planentscheidungen, da der Markt mit seinem Preissystem von den Haushalten und den Unternehmen als Informations- und Koordinierungsinstrument genutzt wird und über den Preis ihr Verhalten steuert. Dieses System ist deswegen prinzipiell sehr flexibel und effizient: Hohe Preise  weisen auf die Knappheit von Gütern sowie einen hohen Bedarfs hin und geben einen starken Anreiz für die Ausweitung des Güterangebotes. Niedrige Preise sind demgegenüber ein Hinweis auf gleichbleibende, zurückgehenden oder geringe Nachfrage, und führen zu einer Verringerung des Angebots.
Kommt es beispielsweise wegen einer guten Apfelernte zu einem Überangebot von Äpfeln, werden die Preise sinken, und dies bei allen Apfelbauern. Denn wenn der Apfelbauer nicht auf seinen Äpfeln sitzen bleiben will, muss er seine Preise zumindest auf das Niveau seiner Konkurrenten senken und versuchen, über den niedrigen Preis zusätzliche Konsumenten zu gewinnen.. Um diese Situation im Folgejahr zu vermeiden, werden die Bauern weniger Äpfel anbauen, in der Erwartung, dafür höhere Preise zu erzielen.Fällt im Folgejahr die Apfelernte zudem der schlechten Witterung zum Opfer, werden die Apfelbauern die Apfelknappheit ausnutzen und die Preise anheben, um so ihre Gewinne zu erhöhen.

So wie auf dem Markt für Äpfel ist der Preis auch auf anderen Märkten Indikator für die Knappheit von Gütern sowie Steuerungsinstrument für das Verhalten der Marktteilnehmer. Dies gilt beispielsweise für die Rohstoffmärkte  (Kaffee, Erdöl, Metalle), für die Konsumgütermärkte (Lebensmittel, Waschmittel, Elektrogeräte), Investitionsgütermärkte (Machinen und Anlagen), Kapitalmärkte ( Kredite, Anleihen, Aktien) sowie für den Arbeitsmarkt.

Wenn die Marktgesetze von Angebot und Nachfrage für eine marktgerechte Preisfestsetzung sorgen, dann bewirken sie zugleich auch  Wettbewerb zwischen den Marktteilnehmer: Der Preis, den ein Unternehmer für ein Produkt auf dem Markt erhält, muss nicht nur seine Kosten decken, sondern auch einen Gewinn erbringen. Unternehmer sind daher bestrebt, ihre Kosten zu senken, damit sie mit dem erzielten Preis nach Abzug der Kosten einen möglichst hohen Gewinn erwirtschaften und ihre Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten können.. Dies ist auch  erforderlich, weil der Preis für ein Produkt vom Markt festgesetzt wird und dies ohne Rücksicht auf die Kostensituation der Unternehmer. Der Markt zwingt die Unternehmer daher zu einem wirtschaftlichen Verhalten. Dieses ist durch das Bestreben gekennzeichnet, mit den verfügbaren Mitteln den höchstmöglichen Nutzen zu erreichen oder den erwünschten Nutzen mit möglichst geringen Kosten. Dieses Prinzip der Wirtschaftlichkeit gilt für alle am Wirtschaftskreislauf Beteiligten, für die privaten Haushalte, die Unternehmen sowie den Staat.

Das Funktionieren einer Marktwirtschaftlichen Ordnung ist  keine naturgegebene Selbstverständlichkeit. So drängen die Wettbewerber im Markt danach, ihren Marktanteil und damit letztlich ihren Gewinn auszuweiten. Dies kann den freien Wettbewerb in Frage stellen, der letztlich für die Effizienz der marktwirtschafllichen Ordnung entscheidend ist. Es ist Aufgabe des  Staates durch seine gesetzlichen Rahmenbedingungen der Entstehung von Monopolen oder marktbeherrschenden Stellungen einzelner Marktteilnehmer entgegenzuwirken. In Deutschland geschieht dies durch das Bundeskartellamt (extern) dass für die Beachtung und Durchsetzung des Wettbewerbs-und Kartellrechts zuständig ist.
Aus dem zuvor gesagten ergibt sich, dass der Staat einen entscheidenen Beitrag für die Ausgestaltung und Aufrechterhaltung einer effizienten Wirtschaftsordnung zu leisten hat. Zu den Rahmenbedingungen, die er für wirtschaftliche Erfolge in einer marktwirtschaftlichen Ordnung zu gewährleitsten hat, gehören neben der Gewährleistung des freien Wettbewerbs das Privateigentum an den Produktionsmitteln, persönliche Freiheit, Gewerbefreiheit sowie Rechtssicherheit durch berechenbare rechtliche Rahmenbedingungen.

Die wichtige Rolle des Staates bei der Ausgestaltung der Wirtschaftsordnung führt dazu, dass es die Marktwirtschaft in der lehrbuchgetreuen Reinform in der Praxis nicht gibt. In jedem Land, das eine marktwirtschaftliche Ordnung besitzt, gestaltet der Staat die marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung entsprechend den örtlichen politischen, historischen oder kulturellen Besonderheiten aus. Dabei  versucht er vielfach auch Ergebniss zu erzielen, die der Markt aus sich heraus nicht bewirkt. Beispiele dafür sind die soziale Absicherung der Arbeitnehmer, der Umweltschutz sowie die gezielte, industriepolitische Wirtschaftsförderung. Um die Wirtschaft auf diese Ziele hinzusteuern, werden als Instrumente Finanzhilfen, Steuervergünstigungen, günstige Abschreibungsmöglichkeiten sowie gesetzliche Handlungsgebote und Verbote eingesetzt.

In Deutschland wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Marktwirtschaft als Soziale Marktwirtschaft ausgestaltet, eine Mischform aus Marktwirschaft mit staatlich lenkendem Einfluss. Mit Instrumenten der Umverteilung und mit wirtschaftlichen Anreizen sollten wirtschaftliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die allgemeinen Wohlstand, Vollbeschäftigung und ein hohes Maß an sozialer Sicherheit gewährleisten. Dies ist bis Anfang der 70er Jahre auch weitgehend gelungen. Die auf der Grundlage der sozialen Marktwirtschaft nach dem zweiten Weltkrieg erzielte Aufbauleistung wurden weltweit lange Zeit als “Deutsches Wirtschaftswunder” bewundert. Mit der stetigen Ausweitung des Staatseinflusses auf die Wirtschaft seit Anfang der 70er Jahre, die zu höherer Staatsverschuldung, höheren Steuern und höheren Sozialabgaben führte, verlor die Deutsche Wirtschaft zunehmend an Dynamik.Die Folge ist, dass die Probleme in den Bereichen der öffentlichen Haushalte und der sozialen Sicherungssysteme seit Mitte der 80er Jahre aus dem Runder zu laufen drohen.So lagen die Kreditmarktschulden aller öffentlichen Haushalte Deutschlands im März 2003 bei 1276,8 Milliarden Euro, das sind über 15 000 Euro pro Kopf der Bevölkerung.Die Sozialversicherungsbeiträge erreichen 2003 mehr als 42 Prozent des Bruttoarbeitsentgelts, zusammen mit der Steuerbelastung ergibt sich für einen kinderlosen Single selbst mit einem Durchschnittsverdienst eine Steuer - und Abgabenlast von mehr als 50 Prozent. Der ungünstige Aufbau der Altersstruktur der Gesellschaft läßt erwarten, dass die Steuer - und Abgabenlast in den nächsten Jahren dramatisch ansteigen wird, wenn der Aufgabenzuschnitt des Staates und die Sozialversicherungssysteme nicht grundlegend neu geordnet werden.

Die hohe Staatsverschuldung sowie die hohe Abgabenlast unterminieren die Effizienz der Wirtschaftsordnung in Deutschland. Eine Wirtschaftsordnung, bei der weit mehr als 50 Prozent der erwirtschafteten Gelder durch die Hände des Staates fließen, hat es schwer, privatwirtschaftliche Ressourcen für mehr Wohlstand und die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu mobilisieren.Wenn die Arbeit durch Steuern und Abgaben so weit verteuert wird, dass sie zunehmend nur noch auf dem Schwarzmarkt Abnehmer und Auftraggeber findet, ist das System nicht mehr effizient. Wenn Menschen mehr als 50 Prozent ihres Einkommens abführen müssen, ohne greifbare Gegenwerte zu erhalten, werden sie dazu gezwungen, in erster Linie für andere, nicht aber in erster Linie für sich zu sorgen. Ihr Handeln muss ihnen daher unwirtschaftlich erscheinen. Damit wird die uneffiziente Ausgestaltung der Wirtschaftsordnung über das Ärgernis hinaus zu einem moralischen Problem. Sie gibt den Marktteilnehmer starke Anreize, gegen Gesetz und Recht zu verstoßen. Eine grundlegende Reform der Wirtschafts- und Sozialordnung Deutschlands ist daher dringend erforderlich, um einen allgemeinen Wohlstand in Deutschland zu sichern und das Ziel der Vollbeschäftigung wieder zu erreichen.

                      Hubertus Rybak, 26.Juni 2003

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